| Würzburg (USCH) Mögen Sie Abstiege? Solche,
die in die Niedrigkeiten des menschlichen Seins führen? Sozusagen
analytische Abstiege mit verquaster Intellektualität und einer Prise
Existenzialismus? Dann mögen Sie auch Lebenskrisen? Oder Ihnen gefällt
einfach nur skurriles Geplapper, reiner Nonsens, eigenwillige
Unterhaltung? Sequenzen und Sätze, die Woody Allen kreiert hat? Dann
lassen Sie sich das Altbackene taufrisch servieren und feiern Sie
gemeinsam mit dem Ensemble des "Theater Chambinzky" in Würzburg den 70.
Geburtstag des amerikanischen Komikers.
Für den, der ihn mag, ist das Original so einmalig wie die
Schauspieler witzig sind. Am Premierenabend agierten sie unter der Regie
von Florian Hoffmann und der Überschrift "Was Sie schon immer von Woody
Allen sehen wollten (. . . aber sich bisher nicht zu wagen trauten)"
zwei Stunden lang mit Enthusiasmus, Spielfreude und oft respektablen
Leistungen.
Fein ausgespielte Details, Pointen und Gags und tragikomische Momente
brachten Dramaturgie in diese Collage aus Texten, Mini-Szenen,
Geschichtchen und Geschichten. Tempo und Transusigkeiten (zum Beispiel
bei der Persiflage auf wissenschaftlichen Literaturbetrieb) bestimmten
den Ablauf. Bei Woody Allen blüht der kleine Spießer auf. Entfaltet sein
ganzes Selbstmitleid. Und natürlich sein verkorkstes Sexleben. Nehmen
Sie beispielsweise Sidney Kugelmass (Achim Beck). Der schwitzende,
dickliche Uniprofessor entflieht der Ehefrau mit Gurkenmaske (Petra
Fröhlen), lässt sich von einem lispelnden Zauberer (Christoph Weidmann)
in die literarische Welt beamen und landet zwischen den Buchseiten der
Emma Bovary (Katharina Ries). Effie Briest ist ihm nämlich zu deutsch
und Ophelia zu Hamlet, denn er hat's gern französisch. Natürlich geht
etwas schief im erträumten, verbotenen Liebesspiel der beiden, und das
Premierenpublikum fühlt sich köstlich unterhalten.
Woody Allens Neurosen sind bekannt, seine Ausflüge/Ausflüchte in
Hirngespinste und seine Suche nach Grundlagen menschlicher Existenz,
nach Gott also und dessen Aufenthaltsort. Eine Wasserstoffblonde (Mo
Marten) sucht mit, beauftragt den mit Hut und Pistolengürtel artgerecht
ausgestatteten Detektiv, der trotz Kippe im Mund Whiskey schlürfen kann.
Ein in herrlichem Sing-Sang lamentierender Jude und der zwei Mädels auf
den Knien jonglierende Papst (beide Rollen Uwe Hansen) kommen auch vor.
Die Lösung ist, wie immer bei Woody Allen, überraschend. Und das
Premierenpublikum beglückt. |