Wenn der Papst auf seinen Knien Mädels jongliert  15.04.2005 16:23

Würzburg (USCH) Mögen Sie Abstiege? Solche, die in die Niedrigkeiten des menschlichen Seins führen? Sozusagen analytische Abstiege mit verquaster Intellektualität und einer Prise Existenzialismus? Dann mögen Sie auch Lebenskrisen? Oder Ihnen gefällt einfach nur skurriles Geplapper, reiner Nonsens, eigenwillige Unterhaltung? Sequenzen und Sätze, die Woody Allen kreiert hat? Dann lassen Sie sich das Altbackene taufrisch servieren und feiern Sie gemeinsam mit dem Ensemble des "Theater Chambinzky" in Würzburg den 70. Geburtstag des amerikanischen Komikers.

Für den, der ihn mag, ist das Original so einmalig wie die Schauspieler witzig sind. Am Premierenabend agierten sie unter der Regie von Florian Hoffmann und der Überschrift "Was Sie schon immer von Woody Allen sehen wollten (. . . aber sich bisher nicht zu wagen trauten)" zwei Stunden lang mit Enthusiasmus, Spielfreude und oft respektablen Leistungen.

Fein ausgespielte Details, Pointen und Gags und tragikomische Momente brachten Dramaturgie in diese Collage aus Texten, Mini-Szenen, Geschichtchen und Geschichten. Tempo und Transusigkeiten (zum Beispiel bei der Persiflage auf wissenschaftlichen Literaturbetrieb) bestimmten den Ablauf. Bei Woody Allen blüht der kleine Spießer auf. Entfaltet sein ganzes Selbstmitleid. Und natürlich sein verkorkstes Sexleben. Nehmen Sie beispielsweise Sidney Kugelmass (Achim Beck). Der schwitzende, dickliche Uniprofessor entflieht der Ehefrau mit Gurkenmaske (Petra Fröhlen), lässt sich von einem lispelnden Zauberer (Christoph Weidmann) in die literarische Welt beamen und landet zwischen den Buchseiten der Emma Bovary (Katharina Ries). Effie Briest ist ihm nämlich zu deutsch und Ophelia zu Hamlet, denn er hat's gern französisch. Natürlich geht etwas schief im erträumten, verbotenen Liebesspiel der beiden, und das Premierenpublikum fühlt sich köstlich unterhalten.

Woody Allens Neurosen sind bekannt, seine Ausflüge/Ausflüchte in Hirngespinste und seine Suche nach Grundlagen menschlicher Existenz, nach Gott also und dessen Aufenthaltsort. Eine Wasserstoffblonde (Mo Marten) sucht mit, beauftragt den mit Hut und Pistolengürtel artgerecht ausgestatteten Detektiv, der trotz Kippe im Mund Whiskey schlürfen kann. Ein in herrlichem Sing-Sang lamentierender Jude und der zwei Mädels auf den Knien jonglierende Papst (beide Rollen Uwe Hansen) kommen auch vor. Die Lösung ist, wie immer bei Woody Allen, überraschend. Und das Premierenpublikum beglückt.


Foto: Chambinzky
Uwe Hansen als Papst und Katharina Ries in einer Szene
aus "Was Sie schon immer von Woody Allen sehen
wollten".