25.09.2005 16:58

 

Publikum geht auf Mörderjagd
 
 
 
Würzburg Wer sich im Theater Chambinzky in Würzburg das Kriminalstück "Scherenschnitt oder der Mörder sind Sie . . ." (Regie: Gwendolyn von Ambesser) anschaut, sollte gut aufpassen: "Jedes Detail ist von Bedeutung". Der Zuschauer wird nicht nur unterhalten, sondern auch in die Pflicht genommen.

 

Dabei fängt das Stück, von Paul Pörtner vor über 40 Jahren geschrieben, harmlos an: In dem zweitklassigen Friseursalon bemühen sich Barbier Leo Wuttig (Dietmar Modes) wortreich und Friseuse Elisa Pittig (Sophia Mix) mit spitzer Zunge um Kundschaft. Dann setzt laute Musik ein - über dem Salon übt die wohlhabende Hausbesitzerin auf ihrem Klavier. Mörderischer Krach oder Liszt? Die Meinungen gehen auseinander. Wutentbrannt will Wuttig Abhilfe schaffen und stürmt aus seinem Geschäft . . . Noch unbedient, verzieht sich auch der undurchsichtige Kunde Alex Laurin (Julian Freytag). Als Dritte verlässt Elisa den Raum. Angeblich will sie ihren Chef suchen. Kurz darauf kehrt sie völlig aufgelöst zurück: Die alte Pianistin ist tot, ermordet mit einer Schere!

Ein komplizierter Fall für Kommissar Wittekind (Wernher von Schrader) und seine Assistentin "Harry" Butz (Julia Gensthaler). Verdächtig sind nicht nur die drei, die den Salon kurz hintereinander verlassen hatten, sondern auch die schwatzhafte Kundin Hedwig Wundhammer (Mo Marten). Motive, der alten Dame das Licht auszulöschen, haben alle. Wittekind - und das ist der Clou des Stücks - hat jede Menge Zeugen: Das Publikum muss bei der Rekonstruktion des Falls kräftig mitwirken. Es nimmt die Verdächtigen ins Kreuzverhör (wobei es auch vor dem Kommissar nicht Halt macht), zerpflückt die Alibis. Schlagfertig, kurios antworten die Verdächtigen auf Beobachtungen und Zwischenrufe, winden sich, versuchen den Verdacht immer wieder auf einen anderen zu lenken - und machen so aus dem im ersten Teil etwas angestrengt wirkenden Stück ein amüsantes Ratespiel. Wer ist der/die Mörder/in? Das Publikum gibt die Antwort - per Abstimmung. Möglicherweise an jedem Vorstellungsabend eine andere!
 

Bis 22. Oktober Mittwoch bis Sonn-
tag, jeweils 20 Uhr. Karten gibt es
unter Tel. (09 31) 5 12 12.

 
Von Sabine Dähn-Siegel


                                                                  FOTO NORBERT SCHWARZOTT