15.02.2004 16:50

 

Wenn das Grauen am Familientisch lauert
 
 
 
Würzburg Wer kennt es nicht, das Grauen, das in vielen Familienfeiern lauert, von heiler Welt bleibt da am Ende oft nur wenig übrig. In seiner satirischen Komödie "Schweig Bub" eröffnet Fitzgerald Kusz ein wahres Horrorkabinett einer solchen festlichen Zusammenkunft, mit einem zwar plakativen, aber durchaus repräsentativen Inventar.

 

Da sind der stille, eingeschüchterte Konfirmand, seine gluckende Mutter, der ruppige Vater, die schwatzhafte Tante mit raubeinigem Ehemann, mehr oder weniger nahe Freunde und Bekannte und unglaubliche Mengen an Alkohol. Konflikte sind vorprogrammiert, Freundschaften und Ehen am Ende nahezu ruiniert.

Unter der Regie von Hermann Drexler präsentiert das Würzburger Theater Chambinzky jetzt eine muntere, höchst vergnügliche Inszenierung des beliebten Volksstücks, ganz geprägt vom fränkischen Dialekt und bestens aufgelegten Darstellern.

Zunächst scheint alles friedlich auf der Konfirmationsfeier von Fritz (Valery Herp). Alle essen, was die Kleidernähte aushalten und ergehen sich in Nichtigkeiten. Aber Konflikte und Probleme brodeln mächtig unter der hauchdünnen Oberfläche. Mit zunehmender Alkoholisierung reden und schimpfen sich die Anwesenden ihren Ärger von der Seele. Und dem braven Fritz wäre mit einer Ritterrüstung inklusive Schallschutz wohl mehr geholfen, als mit seinem engen Kordsamt-Anzug.

Das durchdacht gestaltete Bühnenbild von Sabine Hardt bietet einen ironischen Blick in die miefige Kleinbürgerwelt der 70er Jahre und liefert den Darstellern die ideale Kulisse für ihr munteres, entlarvendes Spiel: Achim Beck spielt Vater Hans mit überzeugender Kraft. Seine realistische Darstellung des unzufriedenen Biedermanns, der sich sein Leben schön säuft und zu Gewaltausbrüchen neigt, macht in manchen Szenen beklommen. Seine desillusionierte Ehefrau Gretl (Karin Krenzer) weiß sich dagegen meistens schnippisch frotzelnd zu behaupten.

Einfach köstlich ist Christina Stibi als Gretls Freundin Hannelore, die ihr Herz auf der Zunge trägt und je betrunkener sie wird, den biederen, doch gar nicht abgeneigten Manfred (Gottfried Thoma) mit ihrem derben Sex-Appeal immer schamloser anbaggert. Im breiten Mittelfränkisch umgarnt sie ihr Objekt der Begierde, bis Manfreds spröder Ehefrau Gerda (Dagmar Schmauß) der Kragen platzt.

Eine echte Entdeckung ist Maria Schwab in der Rolle der redseligen Tante Anna. Ihre boshaft stichelnden Wortgefechte mit Oskar Vogel alias Onkel Willi sprühen vor Witz, wirken ungemein spontan und machen einfach Spaß. Auch Autor Fitzgerald Kusz machte am Ende der bejubelten Premiere einen ganz und gar zufriedenen Eindruck.

Bis 20. März, jeweils mittwochs
bis sonntags, 20 Uhr (außer an
Fasching): Tel. (09 31) 5 12 12.

 
Von Eva Werner
 


                              FOTO NORBERT SCHWARZOTT