Ein Würzburger Autor neu entdeckt 01.02.2002 18:18
Würzburg Mit "seinen" Schriftstellern hat Würzburg so seine Probleme. Man denke nur an Leonhard Frank, dessen Andenken von der Stadt eher halbherzig gepflegt wird. Ein anderer Name, den heute kaum noch jemand kennt, ist der von Max Mohr (1891 bis 1937). Am 14. Februar bringt das Theater Chambinzky eines seiner Theaterstücke auf die Bühne.
Das Theater Chambinzky spielt "Ramper" von Max Mohr
"Ramper" heißt das Stück, das 1925 gleichzeitig in Hamburg, Mainz, Bochum und Karlsruhe uraufgeführt wurde. Ebenfalls 1925 hatte es Premiere am Deutschen Theater in Berlin mit Paul Wegener in der Hauptrolle. Wegener gastierte mit dem Stück in verschiedenen deutschen Städten, u.a. am 29. September 1928 auch im ausverkauften Theater in Würzburg. Ein Kritiker schrieb damals: "Der Beifall am Schluss der Aufführung schwoll an zu einer großartigen Huldigung, zur Bejahung einer darstellerischen Kunstschöpfung von ungewöhnlichem Ausmaß". Doch dann geriet das "Schauspiel in drei Akten und einem Vorspiel" in Vergessenheit - ebenso sein Autor.
In Würzburg machte Dr. Wolfgang Schulz, der künstlerische Leiter der Werkstattbühne, erstmals Anfang der 90er Jahre mit einer Lesung wieder auf Max Mohr aufmerksam. Und dass "Ramper" jetzt auf die Bühne des "Chambinzky" kommt, ist Dr. Roland Flade zu verdanken. Er stieß im Rahmen seiner Forschungen über Würzburger Juden auch auf die Familie Mohr und entdeckte dabei die Texte von Max Mohr. Er besorgte sich das Textbuch zu dem Stück und legte es den "Chambinzky"-Verantwortlichen ans Herz, die einer Aufführung zustimmten.
1925 schrieb die Tilsiter Zeitung über das Stück: "Der Flieger Ramper ist mit seinem Maschinisten ins ewige Eis verschlagen. In jahrelangem Einsiedlerleben versinkt Ramper in einen tierhaft dumpfen Dämmerzustand und verlernt das Sprechen. Walfischfänger finden ihn. Er wird in einem Krankenhaus behandelt und als unheilbar entlassen. Ein Zirkusartist erwirbt ihn, er wird ein Schauobjekt, eine große einträgliche Nummer.
Es ist ein packender Augenblick des ungemein wirksamen zweiten Aktes, wenn Ramper, völlig vertiert, aus einer Kiste genommen wird, um dem Amüsierpöbel in einer banalen Sketchnummer zum Belachen hingereicht zu werden. Der Artist verkauft ihn an die hohe Wissenschaft: der berühmte Psychoanalytiker will seinen Fall Ramper haben, der Artist macht eine Wurstfabrik von dem Geld auf. Doktor Barbazin macht Ramper wieder zum Menschen.
Die Frau des Arztes will den Unglücklichen in eine schöne Zukunft begleiten, aber die Freiheit ist ein Weg ins Elend. Die sich restlos opfernde Frau zwingt ihm mit ihrer selbstlosen Liebe endlich die Einsicht des Sichbescheidens auf".
Max Mohr gehörte zu Lebzeiten zu den meist gespielten Theaterautoren in Deutschland, geriet aber zu Unrecht in Vergessenheit. Er wurde am 17. Oktober 1891 als Sohn eines jüdischen Malzfabrikanten geboren und verbrachte seine Jugend und Gymnasialzeit in Würzburg. Noch ehe er sein Medizinstudium begann, packte ihn, den Unangepassten, die Abenteuerlust und er machte sich ohne Wissen seiner Eltern in die Alpen auf. Im Ersten Weltkrieg versorgte er als Sanitäts-Unteroffizier verwundete Soldaten und landete 1917 in englischer Kriegsgefangenschaft. Danach lebte er mit Frau und Tochter in Rottach am Tegernsee, später auch in Berlin. Drei lange Reisen führten ihn in den Orient. 1934 emigrierte Mohr nach Shanghai , wo er als Arzt arbeitete und am 13. November 1937 an Herzversagen starb.
Premiere im Chambinzky ist am
Donnerstag, 14. Februar, 20 Uhr.
Es folgen 22 weitere Aufführun-
gen im Februar und März. Karten-
vorbestellungen unter Tel. 5 12 62.
Von unserem Redaktionsmitglied Karl-Georg Rötter