| 09.07.2003 15:58 | ||||
| Zwischen Trotz und Träumereien | ||||
| Würzburg Dampflok-Schnauben aus den Lautsprechern, Bremsen-Quietschen von den nahen Gleisen. Der Bahnhof auf der Bühne sieht aus wie eine überdimensionierte Lokomotive und hat einen unaussprechlichen Namen. "Ich denke oft an Piroschka" hatte Premiere im Weinberg am Stein in Würzburg. | ||||
Zu der aus dem 50er-Jahre-Film bekannten Handlung nach Hugo Hartungs Buch ist Sabine Hardt und ihrem Team ein wunderschönes Bühnenbild gelungen. Da gibt es das heilige Reich des Stationsvorstehers. Hier wird gelebt, "Signol gemocht", das Briefgeheimnis ignoriert, und im Hintergrund fahren tatsächlich Züge vorbei. Auch der, den Piroschka am Ende zum Stoppen bringen wird, um sich und dem deutschen Austauschstudenten Andi den Abschied zu versüßen. Ein Stadel, der, mit wenigen Handgriffen gedreht, zum Gästezimmer am Balaton wird - mit Tisch und Bett und blechernem Nachttopf. Und dann die Scheune, voll mit Kukuruz und Gefühlen. Die hängen in der lauschigen Luft in dieser kleinen Liebesgeschichte. An sie tasten sie sich ran, das Ungarnmädel und ihr stud. phil. im beinahe 2. Semester. Katharina Miebach ist eine bezaubernde, bezopfte Piroschka, mit Selbstbewusstsein, Stolz und einer Menge Herz. Sie zeigt sie in anrührender kindlicher Unschuld, kann ernsthaft und entschlossen sein - und herrlich "ungarisch". Lars Romfeld ist ihr ein ideales Pendant. Sein Andreas weiß noch nicht so recht, wie sich Schmetterlinge im Bauch anfühlen. Aber er weiß, wie er sich Männlichkeit vorstellt. Pendelt zwischen Trotz und Träumen und benimmt sich so richtig "deutsch". Es ist gut, dass Florian Hoffmann seine Regie auf die beiden fokussiert hat. Er schiebt lediglich Nico Wolf als Bahnhofsfaktotum Sándor mit in den Vordergrund. Der nimmt die Rolle des Erzählers und Kommentators ein. Schön schlaksig kommen seine beim K-und-K-Regiment gelernten Weisheiten, sein Wunschdenken und seine Erinnerungen über die Rampe. Piroschka und Andi haben genug Gelegenheit, Neckereien, Geplänkel, Ernsthaftigkeiten in Ruhe auszuspielen. Alle anderen (Johann Ertl, Dagmar Schmauß, Brigitte Miebach-Schrader, Colette Tröster, Stefanie Tovornik) sind mehr oder weniger unaufdringliche Garnitur und werden kleine Befangenheiten der Premieren-Aufführung überspielen. Wenn die Glühwürmchen in den Abendhimmel starten, sind die Weichen gestellt. Übrig bleiben eine Fotografie und die Erinnerung. Bleiben Geige und Akkordeon (Stefanie Tovornik, Tanja Kübert) zu erwähnen, deren Pusztaklänge so manche Situation in Hódmezövásárhelykutasipuszta passend untermalen. Herzlicher Beifall des Premierenpublikums. Gespielt wird bis 10. August täg- |
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| Von Ursula Düring | ||||