28.11.2003 16:33

 

Panoptikum der skurrilen Typen
 
 
 
WÜRZBURG Monksville Manor, ein typisch englischer Landsitz, ist Schauplatz der jüngsten Produktion im Würzburger Theater Chambinzky. Das stattlich-herrschaftliche Ambiente nutzt ein junges Paar als Gästehaus für erholungsbedürftige Großstadtbewohner. Und schon in der Eröffnungswoche ist das Haus mit etlichen skurrilen Besuchern gut ausgebucht: Nach und nach treffen der junge, exaltierte Architekt Christopher Wren, die resolute ältere Dame Mrs. Boyle, der pensionierte Major Metcalf, die elegante Miss Casewell und völlig überraschend der zwielichtige Charmeur Mr. Paravicini ein.

 

Auch der Detective Sergeant Trotter aus London erscheint unangemeldet: Er ermittelt in einem ungeklärten Mordfall, dessen Spuren nach Monksville Manor führen.

Abgeschnitten

Starker Schneefall schneidet das Haus von der Außenwelt ab - alle Besucher sitzen wie die Mäuse in der Falle. Und als plötzlich Mrs. Boyle ermordet wird, gewinnt die beklemmende Situation zusätzliche Spannung: Eine(r) der Gäste muss der Mörder sein. Eine für Agatha Christie, die Königin des englischen Kriminalromans, typische Ausgangslage, in der sie ihre meisterhafte Kunst, verschiedene Handlungsebenen mittels virtuoser Dialoge höchst spannend zu verknüpfen, unter Beweis stellt. Nicht umsonst läuft "Die Mausefalle" seit 1952 ununterbrochen achtmal in der Woche am St. Martins Theatre in London.

Für seine Inszenierung im Theater Chambinzky hat Regisseur Herbert Tichy eine Besetzung mit etlichen jungen, unerfahrenen Darstellern gewählt, die dem Bild, das man sich nach der Lektüre des Textes macht, nicht so recht entsprechen wollen. Irritierend ist vor allem Jan Dietl als Sergeant Trotter, der zwar die Ermittlungen resolut an sich zieht, den zweiten Teil des Stücks mit seinen Befragungen der Verdächtigen deutlich dominiert und nach und nach die Hintergründe des mörderischen Geschehens aufdeckt, aber schon rein äußerlich nur schwerlich als Mann von Scotland Yard durchgeht.

Auch Claudia Großkopf und Udo Jain als Ehepaar Ralston können ihre Nervosität nur allmählich und nicht zur Gänze ablegen. Julian Freytag gelingt sein künstlerischer Außenseitertyp Christopher Wren deutlich besser; umjubelter "Star" des Abends ist aber zweifellos Federico von der Pahlen als halbseidener Italiener Paravicini, eine köstlich skurrile Figur, die mit ihrer eigenwilliger Sprache zum Sympathieträger der Inszenierung wird.

Oscar Vogel meistert den Major Metcalf mit der Autorität und Erfahrung des Alters; keine Wünsche offen lassen auch die Chambinzky-erprobten Monique Marten und Brigitte Weber als Miss Casewell und Mordopfer Miss Boyle.

Es läuft nicht ganz rund

So richtig rund will die Inszenierung von Regisseur Tichy am Premierenabend dennoch nicht laufen: Da wirkt - gerade bei den Chambinzky-Neulingen - manche Bewegung durchaus laienhaft, da fehlt im ersten Teil die Dynamik, gehen andererseits viele Betonungen im oft zu hohen Tempo unter und manche Dialog-Pointen in der Konzentration auf den Text verloren.

Gleichwohl erzeugt der Text von Agatha Christie gerade nach der Pause jene prickelnde Spannung, die den Besuch der Aufführung, bei allen Abstrichen, zu einer kurzweiligen Ablenkung macht und das Premierenpublikum zu stürmischem Applaus animierte.

Bis 27. Dezember auf dem Spiel-
plan, Tel. (09 31) 5 12 12

 
Von Manfred Kunz