Nackte männliche Tatsachen

»Ladies Night« im Würzburger Theater Chambinzky

Wer Klamauk und nackte männliche Tatsachen mag, dem sei »Ladies Night« von Stephen Sinclair & Anthony Mac Carter im Würzburger Theater Chambinzky empfohlen; die Story ist vom Spielfilm »Ganz oder gar nicht« bekannt. Regisseurin Gwendolyn von Ambesser reizte der Spaß an der Komödie um sechs Männer, die als Rettung vor Dauer-Arbeitslosigkeit auf die Idee kommen, als Strippergruppe aufzutreten und dabei noch mit gewissen Hemmungen und Hindernissen zu kämpfen haben. Dadurch aber entdecken sie auch ihre wahre Natur – etwa Gavin (Lars Romfeld) seine Neigung zum glamourösen Transvestitentum oder Norman (Jonas Trottmann), köstlich stotternd und mit stets frechem Grinsen, seine süß-erotische Bestimmung.

Der oft etwas genervt wirkende Motor des Ganzen, der gutmütige Craig (Dietmar Modes), und der figürlich für seine neue Aufgabe doch etwas gehandicapte Barry (Achim Beck) zeigen sich doch etwas gehemmt für textilfreie Darstellung – bis dann Glenda (Christina von Golitschek) äußerst energisch auf den Plan tritt und in Art einer Domina das amateurhafte Treiben in professionellere Bahnen zwingt. Dennoch ist Manager Bernie (Matthias Dzierzon) noch nicht zufrieden. Als Einziger scheint Wesley (Udo Jain) ein lockeres Naturtalent. Graham (Christian Voll) jedenfalls, der ewige Zweifler, klinkt sich aus der Freundestruppe aus: Er macht nicht mit, weil er sich für seine Kumpels schämt. Empörung und Enttäuschung äußert er dabei eine Spur zu bitter und laut; das wirkt auf Dauer als Stimmungskiller.

Allerdings soll der Zuschauer nicht nur lachen, sondern auch zum Nachdenken über soziale Probleme gebracht werden. Doch wenn es um den Frust über Misserfolge oder Unfreiheit auf Grund familiärer und sonstiger Zwänge geht, wird’s auf der Bühne schnell dröge. Allein Gags wie das Schlussbild mit den nackten Männern mit Hut vor den entscheidenden Teilen reißen die Inszenierung nicht heraus, auch wenn dröhnend gelacht wird.

Würzburg, die männerfreundlichste Stadt Deutschlands, möchte wohl mit dem Stück auch noch den »Women’s Award« erringen – ob aber alle Frauen auf solch mutige Männer anspringen? (bis 31. Mai)
Renate Freyeisen