Ein Geniestreich21.06.2002 16:07
"Hauptmann von Köpenick" am Stein
Würzburg (Helm) Am 17. Oktober 1906 hatte janz Berlin jelacht. Am nächsten Tag amüsierte sich der Generalanzeiger in Würzburg, und nur einen weiteren Tag später wurde der Geniestreich des "Hauptmanns von Köpenick" schon vom Daily Telegraph in London kolportiert. So schnell verbreitete sich die kuriose Geschichte, die vom 9. Juli bis zum 11. August als Freilichtaufführung im Weingut am Stein in Würzburg zu sehen ist.
Die dreiste Eroberung des Köpenicker Rathauses durch den Schustergesellen Wilhelm Voigt ist durch Carl Zuckmayer bewahrt worden. Er hatte in dem Stoff "ein deutsches Märchen" erkannt und 1931 ein Theaterstück daraus gemacht. Schauspielerisch geprägt wurde die Figur durch die Verfilmung mit Heinz Rühmann. Der uniformierte Hochstapler, der das Preußentum mit seinen eigenen Waffen geschlagen hatte, ist eine seiner populärsten Rollen geblieben.
Die Aufführung auf der großen Terrasse des Weinguts ist eine Produktion des Würzburger Theaters Chambinzky. Regie führt Hermann Drexler, der im vorigen Jahr das Stück "Amadeus" im Efeuhof des Würzburger Rathauses mit großem Erfolg auf die Bühne brachte. Er will vor allem die sprachlichen Charaktere herausarbeiten - etwa den Casinoton - und ihre komischen und tragischen Seiten kenntlich machen.
Drexler baut dabei auf Kurt Egreder als Hauptdarsteller. Er sei prädestiniert für solche verschmitzt-listigen Charaktere, sagte er während einer Vorbesprechung. Egreder hat den "Schwejk" schon gespielt und sich auf den "Hauptmann" gründlich vorbereitet. Sein Bart kratzt schon wilhelminische Dimensionen an. "Die Spitzen müssen noch wachsen", sagte er, "dann werden sie mit Fett hochgezwirbelt".
Für die Produktion werden derzeit noch Statisten gesucht.
Die Vorstellungen finden täglich -
außer Montag - jeweils um 2030
Uhr statt. Reservierungen unter Tel.
(09 31) 5 12 62 und 5 12 12 oder
direkt im Theater Chambinzky.
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FOTO CHAMBINZKY |