Eine Uniform als Hauptrolle10.07.2002 18:42

Würzburg Die Kulisse zu "Der Hauptmann von Köpenick" steckt voller Überraschungen. Von Bild zu Bild werden stets neue Elemente in den Bühnenraum gedreht oder geklappt.

"Der Hauptmann von Köpenick" im Würzburger Weingut am Stein

Als schließlich ein Bett mitsamt Schauspieler in die Premierenvorstellung im Würzburger Weingut am Stein einschwenkt, gibt es sogar Sonderapplaus - für die Bühnenbildner um Sabine Hardt. In diese flexible Dekoration hat auch der Regisseur Hermann Drexler zentrale Ideen hineinzimmern lassen. Die Polizeiwache, auf der Wilhelm Voigt um eine Aufenthaltsgenehmigung nachsucht, schwebt hoch oben wie der Olymp der preußischen Bürokratie; und die Kehrseite eines Wachhäuschens erweist sich als Klo, in dem sich der Schuster in den Hauptmann verwandelt.

 

Eine Uniform posiert von Anfang an auf der Bühne. Das wird gerne gemacht, denn Carl Zuckmayer - der Autor - hatte ihr tatsächlich die Hauptrolle zugewiesen. Der Mensch sei nur die Fortsetzung der Uniform nach innen, schrieb der Kritiker Alfred Polgar über die Uraufführung am 5. März 1931.

An diese Einsicht hält sich auch Kurt Egreder. Er spielt den Voigt fast zaghaft wie einen Zaungast und trumpft auch mit Uniform nicht auf - "die macht det meiste janz alleene".

In den dreißiger Jahren waren solche Äußerungen noch politisch brisant, nach der Nazizeit nur noch harmlos. Nun sah man, dass "Willem" keinem richtig weh getan hatte. Er pochte zwar an die Weltordnung, die Rangordnung war aber intakt geblieben. Das Stück ist deshalb folgerichtig - gefördert durch die Verfilmung - zum Volksgut geworden: zu einem Bilderbogen, an dem das Lokalkolorit hervorsticht und der als Sommertheater erfreuen kann.

In der Freiluftaufführung im Weingut am Stein haben denn auch alle Schauspieler besonders gefallen, die sich an einen Dialekt anlehnen konnten. Egreder hat das als Voigt moderat und konsequent gemacht. Stephan Ladnar präsentierte seinen Kumpel Kalle sehr überzeugend und sprachlich versiert als einen authentischen Strizzi. Er spielt wie die meisten Darsteller mehrere Nebenrollen, die durchgehend sehr gut besetzt sind. So bringt Helmut Mahsberg seine beeindruckende Bühnenpräsenz souverän als Hofschneider und Kriminaldirektor zur Geltung. Norbert Straub lässt als Zuchthausdirektor dem militärischen Geist freien Lauf und schlottert als Stadtrat vor der militärischen Ordnung.

Rainer Maria Binz, der Leiter des Theaters Chambinzky und Produzent des Stücks, dominiert als Polizist und Aufseher mit schneidigem Ton. Dietmar Modes gibt treffend den konsternierten Bürgermeister, Bodo Koch einen originellen Schneidergehilfen. Thorsten Rock lässt Verwandlungsfähigkeit erkennen.

Am meisten Aufsehen hat die Exerzier-Übung im Gefängnis erregt, in der gerade beim Durchzählen das Chaos ausbricht.

Weitere Aufführungen bis zum 11.
August täglich außer Montag.
Karten: Tel. (09 31) 5 12 12

FOTO THERESA RUPPERT

Von unserem Mitarbeiter Helmut Klemm