21.03.2003 17:14

 

Mit Vollgas ins totale Chaos
 
Würzburg Es beginnt mit einer kleinen Ausrede, wird zu einer harmlosen Flunkerei und mündet im Total-Chaos. Mit Tempo, Witz und Wort-Kaskaden hatte die britische Komödie "Funny Money" im Theater Chambinzky Premiere.
 
Die siebziger Jahre in England. Bei den Perkins sind die Vorhänge frisch gewaschen. Das Brathähnchen schmurgelt im Rohr. Jean (Christina Stibi) hat sich hübsch gemacht. In ihren wild gemusterten, braun-orange-grünen vier Wänden wartet sie auf Ehemann Henry (Christian Stöcker). Zur Feier seines Geburtstags sind auch Betty (Sonja Schaff) und Vic Johnson (Thorsten Rock) eingeladen.

"Als kleiner Langweiler hast du mir besser gefallen" wird Jean später zu ihrem völlig aus dem Häuschen geratenen Henry sagen. Dann, wenn er sich Freddy nennt, Vic plötzlich Percy sein soll und ein Koffer voller Geld für Dramen und Träume sorgt. Wenn das kleine, gepflegte Spießerhaus (liebevoll bis in Vorgarten und Hinterhof durchgestaltet von Sabine Hardt) sich in ein Tollhaus verwandelt und keiner der Anwesenden mehr weiß, wer eigentlich wer ist. Und Jean, das harmlose Hausmütterchen, sich in einen Whiskyrausch flüchtet.

Ihr Versuch, eine Jacke anzuziehen, wird zu einem der vielen komischen Kabinettstückchen, die sich Regisseur Florian Hoffmann und sein Temperament geladenes Schauspielerteam haben einfallen lassen.

Der Text des britischen Autors Ray Cooney liefert eine solide Grundlage, die die acht Schauspieler individuell und mit so viel Verve ausspielen, dass es eine ungebrochene Freude ist. Überraschungen, Verwechslungen, Irritationen, Running Gags jagen ungebremst über die Bühne. Ins gediegene Wohnzimmer stürmen unentwegt genau die Personen, die man just in dem Augenblick so gar nicht gebrauchen kann.

Neben den beiden Ehepaaren sind der indische Taxifahrer Saphir (Christian Voll), die beiden Polizisten Sergeant Davenport (Sebastian Vogel) und Sergeant Slater (Norbert Straub) und ein geheimnisvoller Anrufer mit dem vermeintlichen Namen "Oktokoff" mit von der Partie.

Die Verwirrung nimmt ihren Zwerchfell erschütternden Lauf und steigert sich von Sekunde zu Sekunde. Es gibt keine Szene, die nicht bis ins Detail durchkomponiert, keinen Dialog, der nicht auf den situationsbedingten komischen Punkt gebracht ist. Selbst beim Miniauftritt des herbeigefürchteten Mafiabosses (Johann Ertl) stimmt die Dosierung, driftet die Komödie nicht ab in Klamauk.

So ist "Funny Money" ein heiterer Lichtblick in diesen lausigen Zeiten weltpolitischer Tragödien. Das Premierenpublikum belohnte das mit stürmischem Beifall.

Bis 27. April im Spielplan. Karten:
Tel. (09 31) 5 12 12

 
Von Ursula Düring