Farbenfrohe Zeitreise in die 70er Jahre
Furiose Umsetzung der Komödie "Funny Money" im Würzburger Theater Chambinzky
 

Money makes the world go round - Geld bewegt die Welt, im Großen wie im Kleinen, und schon wenige Stöße gebündelter Scheine können aus Langeweiler Fantasten, aus Biedermännern Intriganten, aus Schwächlingen Tausendsassas und aus unscheinbaren Hausfrauen haltlose Alkoholikerinnen machen. Um eben diese Mutationen geht es in der "Funny Money" betitelten, absurd-verrückten Komödie des britischen Erfolgsautors Ray Cooney über die eigentlich völlig normale, bürgerliche Familie Perkins, bestehend aus Gattin Jean, Gatte Henry A. und Katze Pussy, die derzeit in einer rasanten, temporeichen Inszenierung von Florian Hoffmann im Würzburger Theater Chambinzky zu sehen ist.

Der Konservatismus, der aus jedem grünen und braunen Streifen der potthässlichen 70er Jahre-Tapete im Wohnzimmer der Perkins spricht, ist mit einem Mal beim Teufel, als Henry ausgerechnet an seinem Geburtstag mit 735.000 gestohlenen englischen Pfund nach Hause kommt (ein Betrag, der im Jahre 1974 mehr als 2,2 Millionen Euro entsprach). Jean Perkins, von Christina Stibi als naives, zur Hysterie neigendes Hausfrauchen mit Ordnungsfimmel gemimt, deren Lebensaufgabe sich darin erschöpft, allabendlich beim Lampenschein auf die Rückkehr ihres Göttergatten zu warten, soll plötzlich alle Brücken hinter sich abbrechen und mit Henry nach Barcelona fliegen - oneway, denn eine Rückkehr soll es für die Millionäre nach Henrys Willen nicht mehr geben. Bevor es jedoch dazu kommt, gibt es allerhand heimliche und unheimliche Abenteuer zu bestehen, denn als würden sie es riechen, kommen Beutejäger aller Couleur auf Jeans - von Christian Stöcker Energie geladen und mit großer Spielfreude auf die Bühne gebrachten - Ehegatten Henry zu, der lässt sich nicht lumpen, handelt, händelt und stürzt sich um der pekuniären Sache willen sogar in homoerotische Eskapaden, wobei er dafür sorgt, dass das Chaos, die Verwicklungen und Verwirrungen um ihn herum nur immer größer werden.

Betty und Vic, die beiden Freunde, die an jenem Abend eigentlich Henrys Geburtstag feiern wollten, werden in die Misere eingeweiht und schlüpfen, je nach dem, welchem Eindringling welche Geschichte vorgegaukelt werden muss, in verschiedene Pseudorollen, Sonja Schaffs Betty resolut und souverän, Thorsten Rocks begriffsstutziger Vic zunehmend verzweifelter, am Ende sind alle eine große Familie, stecken sie - nicht nur sprichwörtlich - alle unter einer Decke und eigentlich hat nur noch einer den vollen Durchblick - Henry, der sein Geld retten, seinen Traum vom Leben weit jenseits des Büroalltags verwirklichen will, komme, was da wolle.

"Furios" nennt das Programmheft die locker-leicht daherkommende Komödie, und eben das ist sie auch dank des Regiekonzepts von Florian Hofmann, der mit großem Gespür für Situationskomik an die Umsetzung der als farbenfrohe Zeitreise in die 70er Jahre gestalteten Farce herangeht; furios wird sie aber nicht zuletzt durch die hervorragenden Komödianten, zu denen neben den Erwähnten Sebastian Vogel als machohafter Sergeant Davenport, Norbert Straub als entnervter Sergeant Slater, Christian Voll als Taxifahrer Saphir und Johann Ertl als Mister Mafia zählen.

"Funny Money" ist an folgenden Tagen jeweils um 20 Uhr im Theater Chambinzky (Valentin Becker-Straße 2) zu sehen: 26. bis 28. und 30. März, 2. bis 6., 9. bis 13., 16. bis 20. sowie 23. bis 27. April. Telefonische Kartenreservierung unter 09 31 / 5 12 12. Pat Christ