Frag-würdig: Spektakel unter freiem Himmel11.07.2002 19:03

Reiz des Sommertheaters

würzburg Sommertheater am Stein, im Efeuhof und am Schützenhof: Bühnen unter freiem Himmel haben ihren ganz eigenen Charme. Und ein Sommer in Würzburg wäre ohne Freilicht-Aufführungen schon gar nicht mehr denkbar. Wir sprachen mit Regisseur Hermann Drexler (35), der sich in den vergangenen Jahren durch Stücke im Chambinzky und in der Werkstattbühne einen Namen gemacht hat. Sein "Hauptmann von Köpenick" feierte am Dienstag Premiere am Stein.

 

frage: Was zieht die Theaterleute im Sommer eigentlich ins Freie? Sie müssen doch ständig Angst vor schlechtem Wetter haben. . .

Hermann Drexler: Nein, Angst habe ich nicht. Aber natürlich geht man ein gewisses Wetterrisiko ein, und im schlimmsten Fall ist sogar ein Abbruch möglich. Das passiert aber sehr selten. Umgekehrt besuchen an lauen Sommerabenden weniger Leute unsere angestammten Theaterhäuser. Also gehen wir auf das Publikum zu. Darüber hinaus sind die Einnahmen aus der Sommertheater-Produktion für die finanzielle Absicherung einer Spielzeit im Privattheater außerordentlich wichtig.

 

Haben Sie als Regisseur persönliche Vorlieben bei den Würzburger Freilicht-Bühnen?

Drexler: Jede Bühne und jeder Spielort hat einen ganz eigenen Reiz. Der Efeuhof ist geschlossener und besticht durch sein historisches Ambiente, während die herrliche Naturkulisse am Stein mit ihrem Ausblick auf die Weinberge einen eher offenen Charakter hat. Das spielt manchmal auch bei der Auswahl der Stücke eine Rolle.

 

Also hier das ernste Theater und dort die Unterhaltung?

Drexler: Ich finde, ein Theaterstück muss immer unterhalten. Das ist das wichtigste Kriterium. Mir geht es nicht darum, zwanghaft eine Botschaft rüberzubringen. Die müssen die Besucher für sich selbst ableiten. Das Publikum soll interessiert ein Stück verfolgen - egal, ob es sich um ein ernstes Drama oder eine Komödie handelt.

 

Eignet sich der "Hauptmann von Köpenick" besonders als Freilicht-Stück?

Drexler: Der "Hauptmann" ist per se kein Freilicht-Stück - und trotzdem ein Klassiker unter freiem Himmel. Ich sehe ihn als tolle Mischung aus witzigen, leichten Szenen und anspruchsvollem Schauspiel. Mit über hundert Kostümen und zirka 60 Figuren bietet er reichlich Spektakel.

 

Und was reizt den Regisseur so besonders an diesem Klassiker?

drexler: Zuckmayer hat uns ein Stück Weltliteratur mit einer unglaublichen Vielfalt an Figuren hinterlassen, die jede für sich einen eigenen Charakter besitzen und so zur Buntheit des Stückes beitragen. Für mich sind solche Stücke außerdem eine spannende Zeitreise, in diesem Fall in die wilhelminische Ära.
Das Gespräch führte Andreas jungbauer