Was kann da noch schief gehen? 03.01.2002 16:18
"Dinner für Spinner" im Würzburger Theater Chambinzky
würzburg Bei solchen Zutaten kann nichts schief gehen: Eine rasante französische Salon-Komödie mit witzigen Dialogen und flotter Situationskomik wird im Würzburger Theater Chambinzky von einer Komödienspezialistin inszeniert. Mit einem exzellent disponierten Ensemble hat Regisseurin Gwendolyn von Ambesser "Dinner für Spinner" von Francis Veber als turbulentes Mehr-Gänge-Menue zelebriert - ein Genuss nicht nur für den Sylvester-Abend.Ein großbürgerlicher Salon (von Sabine Hardt und Sanel Bradaric mit Liebe zum Detail gestaltet) empfängt den Besucher: An den Wänden hängen die Klassiker der Moderne, edler Nippes verziert die Regale. Darin erwartet der Verleger Brochant den trottelig-naiven Finanzbeamten Pignon. Der soll beim allwöchentlichen "Dinner für Spinner" wegen seiner Leidenschaft für aus Streichhölzern konstruierte Modellbauten zum "Idiot des Abends" gekürt werden. Doch ein Hexenschuss zwingt nicht nur den Verleger in die Horizontale (mit Autorität und bewundernswerter Körperbeherrschung: Dietmar Modes), sondern rückt den kauzigen "Idioten" ins Zentrum, macht ihn zum zugleich unentbehrlichen "Auslöser" der Turbulenzen.
Zwischen ehrlicher Hilfsbereitschaft und tumber Bauernschläue zeichnet Joachim Beck diesen biederen Beamten, der hinter seinem ausgefallenen Hobby eine tiefe Menschlichkeit verbirgt, die sich in ihrer tragischen Dimension dann zeigt, als er den wahren Grund der vermeintlich großzügigen Dinner-Einladung erfährt.
Zweifellos das schauspielerische Glanzstück des Abends für Beck, der bereits beim genussvoll zelebrierten Konfiserie-Verzehr für sein komödiantisches Talent reichlich Szenenapplaus einheimste.
Weniger opulent angelegt sind die übrigen Rollen: Den Verlegerfreund und Autor Leblanc gibt Gottfried Thoma etwas zu brav, den Doppelrollen-Spagat zwischen Verleger-Frau und "meschuggener" Hausfreundin Marlene bewältigt Mo Marten im zweiten Teil deutlich stärker und auch Ingomar Oehler-Bonnet nutzt die zweite der beiden Rollen, den Finanzamts-Kollegen Lucien Cheval, um sich für seine facettenreiche Studie eines peniblen, gleichwohl scharfsinnigen Beamten reichlich Zwischenapplaus abzuholen.
Und immer dann, wenn die für ein Konversationsstück dieser Klasse nötige sprachliche Eleganz der Darsteller etwas nachzulassen droht, zieht Gwendolyn von Ambesser eine ihrer offenbar im Überfluss vorhandenen Überraschungen oder Bühnentricks hervor. Da ist es dann kein Wunder, dass nach gut zwei Stunden kräftiger Applaus und etliche Bravos für die beiden Hauptdarsteller den kurzweiligen Abend beenden.
Auf dem Spielplan bis 3. Februar;
Karten: Tel. (09 31) 5 12 62.
Von Manfred Kunz