Party-Löwen und zwielichtige Ehrenmänner 22.03.2002 17:36
Vom Staub der 50er befreit: "Liebe Diebe" im Würzburger Chambinzky
würzburg Herb Alperts schwülstige Klänge plätschern aus dem Off: ein großbürgerlicher Salon von mondäner Morbidität empfängt die Besucher im Würzburger Theater Chambinzky und wartet auf "Liebe Diebe". Florian Hoffmann hat die gleichnamige romantische Krimikomödie des englischen Lustspiel-Autors Jack Popplewell, die 1964 auch im Würzburger Stadttheater und zuletzt 1988 am Fränkischen Theater Schloss Maßbach zu sehen war, vom Staub der 50er Jahre befreit und in flotter Zeitlosigkeit inszeniert.
Ohne Änderungen am Text entfaltet er eine spannende, höchst amüsante Diebstahlgeschichte und geht zugleich der dahinter liegenden, durchaus aktuellen Frage nach, ob ehrbare Gentleman-Verbrecher oder halbseidene Party-Löwen die bessere Moral auf ihrer Seite haben.
Denn mit der Einbrecherfamilie - Tochter und Vater Peabody - und der großbürgerlichen Lady Warren samt "Berufs"-Sohn David treffen in der Tat unvereinbare Welten aufeinander.
Eine echte Entdeckung ist dabei die Chambinzky-Newcomerin Johanna Gertler als einerseits naiv-schüchterne, andererseits professionell-abgezockte Berufs-Einbrecherin Penelope Peabody. Ihrem Vater, einem vor Berufsethos nur so strotzenden "Experten für Eigentumsübertragungen" verleiht Nico Wolf wie selbstverständlich adlige Eleganz mit feinsten Gentleman-Manieren.
Als bestohlener David Warren fühlt sich Sebastian Vogel in der Opferrolle sichtlich wohl, hat er doch vermeintlich alle Machtmittel gegen die attraktive Einbrecherin in der Hand und die Moral auf seiner Seite. Wie er allerdings mit immer neuen Lügen seiner Jet-Set-Verlobten Helen (Silke Kasper als zweite überzeugende Chambinzky-Debütantin) die aufkeimende Zuneigung zur lieben Diebin verheimlicht, gefährdet seine moralische Integrität zusehends.
Und als seine Mutter, die exzentrische Lady Warren (von Brigitte Miebach-Schrader stimmig gegeben) auch noch die Abstammung von Stallknechten und Pferdedieben zugeben muss, fällt seine großbürgerliche Überlegenheit in sich zusammen. Sebastian Vogel meistert diesen Wandel bravourös, bleibt auch in heiklen Situationen stets Herr der Lage.
Zu Hilfe kommt ihm dabei immer wieder sein treuer Butler Wilkinson, den Matthias Feser mit vornehm britischem Understatement gibt, ganz im Vertrauen auf den köstlichen Wortwitz seiner Rolle; nie hat man ein überzeugenderes "zutiefst bestürzt" aus Dienermund vernommen. Kaum nach steht ihm Norbert Strauß als Inspektor Pidgeon, der als leicht trotteliger Columbo-Typ mehr für Komik denn für zügige Aufklärung des Diebstahls sorgt.
Wie der Fall letztlich gelöst wird und ob es doch noch zu der durch die "Klassenunterschiede" zwischen Dieben und Großbürgern verhinderten Beziehung kommt, wird hier natürlich nicht verraten. Stattdessen nachdrücklich der Besuch der kurzweiligen, gänzlich unaufgeregten, nur sparsam mit Gags arbeitenden Inszenierung von Florian Hoffmann empfohlen, die vom Premierenpublikum stürmisch gefeiert wurde.
Bis 27. April, Tel. (09 31) 5 12 62.
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FOTO THOMAS OBERMEIER |