Würzburg (dpa) 26.02.2010
"Der Psycho": Schwarzhumorige Krimi-Parodie
Krimi, Komödie, Romanze: Gleich drei Genres bedient "Der Psycho", das
Theaterstück des US-Komödienautors Sam Bobrick, das am Donnerstagabend in seiner
deutschsprachigen Erstaufführung und zugleich als Uraufführung im Würzburger
Theater Chambinzky zu sehen war.
In ihrer Originalfassung "The Psychic" feiert Bobricks romantische
Kriminalkomödie Mitte März im kalifornischen Burbank Premiere. Hierzulande
inszenierte Florian Hoffman die turbulente Geschichte rund um den erfolglosen
Krimiautor Adam, der stets auf der Suche nach Stoff für seine Bücher ist und
dessen chaotisches Leben endgültig durcheinandergerät, als er die unglücklich
verheiratete Laura kennenlernt.
Ideen hat er, Verleger keine: Der New Yorker Adam Webster (Christian Voll) hat
es schwer als Krimiautor und verdient deshalb sein Geld erst einmal als
Wahrsager. Es dauert nicht lange, bis sich Kundschaft in Adams
heruntergekommenes Kellerappartement verirrt, dessen schmutzige Wände alte
Filmplakate zieren. Ebenso schnell wird er durchschaut: Eigentlich ist die
selbstbewusste Laura (Luise Weber) sicher, dass der tollpatschige Adam ein
Betrüger ist. Doch dann sagt er ihr voraus, ihr Mann plane, sie umzubringen. Was
dahinter steckt, bleibt offen; nicht einmal der verwirrte Adam selbst weiß,
wieso er die Schreckensprophezeiung gemacht hat.
Der Zuschauer tappt mit ihm im Dunkeln, während Adam fortan von allerlei
zwielichtigen Gestalten aufgesucht wird. Erst stürmt Lauras jähzorniger und
untreuer Ehemann in Adams Wohnung, kurz darauf stöckelt dort dessen aufreizende
Geliebte Rita herum, die zugleich eine Affäre mit Johnny Bubbles (hervorragend:
Volker Baumann) hat. Spätestens als der schmächtige Ganove in schwarzem Anzug
samt stilechtem Hut und fiesem Lächeln seine Waffe auf Adam richtet, weiß der
glücklose Schriftsteller, dass seine Prophezeiung nicht ohne Folgen bleiben
wird. Schlimmer noch, dass sie stets neuen Schub durch weitere Visionen Adams
erhält - bis schließlich tatsächlich ein Mord geschieht.
Licht ins Dunkel dieses amüsanten Verwirrspiels voller Situationskomik und
schwarzem Humor soll Detective Coslow (stark: Horst Fuchs) bringen. Doch wenn
der Ermittler im weißen Anzug mit dickem Schnauzbart, Zigarre und verkniffenem
Gesichtsausdruck das neue Liebespaar Adam und Laura verhört, sieht das eher nach
Satire denn ernstem Krimi aus. So lutscht Coslow - die personifizierte Parodie
auf "Miami Vice", "Magnum", "Columbo" und "Kojak" zugleich - genüsslich an
seinem Lolli, während er sich durch das Dickicht dieses mysteriösen Falls
kämpft.
"Einerseits ist es eine Krimiparodie, andererseits kann man das Stück auch als
Krimi, Komödie oder Liebesgeschichte sehen", sagt Regisseur Hoffman über
Bobricks genreübergreifendes Stück. "Es gibt wenig Parodien, die gleichzeitig
auf dem dramatischen Level funktionieren", ergänzt Hoffman, dessen temporeiche
Inszenierung nicht nur auf den Wortwitz und Slapstick der Geschichte setzt.
Ebenso werden die verschiedenen Genres überzeugend herausgearbeitet, wobei sich
das Stück schließlich als clevere Kriminal-Persiflage entpuppt.
So nimmt der Kreis der Verdächtigen beständig ab, während die Figuren selbst
immer unzufriedener mit den unvorhergesehenen Wendungen scheinen, bis sich bald
alle Augen auf Adam richten: Geht es hier nur um seinen Krimi? Und was hat es
eigentlich mit dem Titel "Der Psycho" auf sich? Überraschung folgt auf
Überraschung, und der Zuschauer darf rätseln und lachen bis hin zu einem Ende,
das es im Theater so wohl nicht allzu oft gibt.
www.chambinzky.com
Von Alexandra Stahl, dpa