| 01.01.2003 16:49 | |
| Das Leben - eine einzige Komödie | |
| Würzburg Krise ist eigentlich immer am Theater. So auch am 5. Juni 1953 im Schauspielhaus von Buffalo, N.Y. Das kleine Tournee-Ensemble um die beiden Broadway-Stars George und Charlotte Hay ist künstlerisch aus- und finanziell abgebrannt. Völlig in Auflösung gerät die Truppe, als Charlotte vom Seitensprung ihres Mannes erfährt - er hat die Ensemble-Anfängerin Eileen geschwängert: Da ist Feuer unterm Dach - und Theater im Theater! | |
| Genau der richtige Stoff für den
amerikanischen Komödienautor Ken Ludwig und die Regisseurin Gwendolyn von
Ambesser, deren Inszenierung von Ken Ludwigs "Otello darf nicht platzen" dem
Würzburger Chambinzky-Theater bereits vor zwei Jahren einen Publikumserfolg
bescherte.
Der wird sich zweifellos auch diesmal einstellen, obwohl der Premierenabend die gewohnte Perfektion noch etwas vermissen ließ. Da war, vor allem bis zur Pause, so mancher Auftritt ungenau, einige Gags etwas dick aufgetragen und die Artikulation gerade beim schnellen Sprechen unsauber. Denn bei allem boulevardesken Zuschnitt und zahlreicher extrem bühnenwirksamer Dialoge fordert Ludwigs "Cyrano in Buffalo" einiges von seinen Darstellern. Es ist ein durchaus nuanciertes, doppelbödiges Spiel um Schein und Sein, Leben im Theater und Theater im Leben und nicht zuletzt über die Faszination des Schauspieler-Berufes. George Hay ist so einer, der trotz aller Widrigkeiten und Zweifel mit Leib und Seele an seinem Beruf hängt. Dietmar Modes gibt ihm genau die richtige Dosierung von Kalkül und Leidenschaft. Selbst in aussichtsloser Situation kommt er nicht los von seiner Berufung, verwechselt Stück und Rolle, taucht in volltrunkenem Zustand als Cyrano im Stück "Intimitäten" auf, nur um seine Traumrolle beim Film zu bekommen. Der jagt auch seine Frau und Bühnen-Partnerin Charlotte (souverän: Brigitte Miebach-Schrader) hinterher, die dafür sogar ihre sichere Zukunft mit dem Anwalt Richard (routiniert und zuverlässig: Nico Wolf) wieder aufgibt. Beachtlich schlagen sich die beiden Chambinzky-Debütanten Markus Stöppler als karrierebewusster Jung-Schauspieler Paul und Christian Voll - als schüchtern vertrottelter Howard deutlich zu laut, wesentlich stärker in den Momenten, in denen er für Hollywood-Regisseur Frank Capra gehalten wird. Auch Angela Waidmann (als Theaterkind Pia) und Kathi Miebach (als Bühnen-Anfängerin Eileen) fügen sich gut in das Ensemble ein. Dagegen wirkt Brigitte Weber (als schwerhörige Großmutter Ethel) wie ein nur auf sich selbst bezogener Fremdkörper: Überschnell und fast unverständlich sprudelt der Eingangsmonolog heraus, und auch im weiteren Verlauf findet sie keine rechte Bindung zum Spiel der Anderen. Dieses wiederum steigert sich nach der Pause zu einem rasant-turbulenten Vergnügen mit allen klassischen Komödien-Elementen. Da verschwinden die Grenzen zwischen Bühne und Alltag völlig: Theater und Leben geraten in- und durcheinander. Im Spielplan bis 8. Februar. |
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| Von Manfred Kunz |