24.10.2003 17:43

 

Liebe und Doppelmoral
 
 
 
Würzburg Der Autor Curt Goetz zählt zweifellos zu den Klassikern des deutschen Boulevard-Theaters. Auch auf Würzburger Spielplänen tauchen seine pointensicheren Komödien immer wieder auf: zuletzt im Jahr 2000 seine Justizkomödie "Hokuspokus" als Sommertheater im Würzburger Efeuhof. Bis zu seinem Durchbruch mit dem Erfolgsstück "Ingeborg" (1921) schrieb Goetz eine Reihe von Einaktern und grotesk-komischen Dramoletts. Drei davon hat das Würzburger Theater Chambinzky zu einem Curt-Goetz-Abend zusammengefasst und kurzfristig in den Spielplan genommen.

 

Es sind Bühnentexte, die sich die Gefühlswelt und die Doppelmoral der bürgerlichen Liebesbeziehungen der Wilhelminischen Zeit vornehmen und sie in pointierten Dialogen karikieren. Das Überzeitliche, Allgemein-Menschliche aus dieser, uns heute in dieser Form doch reichlich fernen Thematik um Ehebruch, Seitensprung oder vermeintliche Schwangerschaft herauszuholen, ist dabei die Aufgabe einer zeitgenössischen Inszenierung.

Dafür haben Ausstatterin Sabine Hardt und ihr Team ein schlichtes, in zeitlosem Grau gehaltenes Bühnenbild geschaffen, zugleich aber viel Wert auf kleine, aber effektvolle Details gelegt. Genau die richtige Kulisse für die Inszenierung von Gwendolyn von Ambesser.

Wie bei all ihren Regiearbeiten stellt sie auch bei diesen Einaktern - "Taube in der Hand", "Hund im Hirn" und "Minna Magdalena" - die Situationskomik, den Dialogwitz und die überraschende Pointe in den Vordergrund. Das fordert die Spielfreude der Darsteller heraus, verlangt aber genauso Disziplin und eine Perfektion der Sprache.

Die beweisen eine gewohnt souveräne, immer präsente und ausdrucksstarke Christina Stibi sowie Oliver Stettes in allen drei Stücken. Vor allem Stettes ist eine echte Bereicherung im Chambinzky-Ensemble: grandios sein sich zum Hund wandelnder Herr Tittori, nachdem er als Liebhaber von Frau Professor enttarnt ist; nicht weniger überzeugend ist er als Professor in "Minna Magdalena", der dem Vater seines Hausmädchens Minna, dem einfältigen-naiven und grobschlächtigen Bauern Manfred Sack, deren uneheliche Schwangerschaft vermitteln soll. Eine Glanzrolle für Gottfried Thoma, der sich in diesen tumben Landmann förmlich hineinsteigert und zu großer Form aufläuft.

Undankbar, aber gleichwohl unverzichtbar sind in Einaktern die kleinen Rollen, die kein eigenes Profil entwickeln können: Monika Motschenbacher, Johann Ertl und Karin Krenzer machen das passabel und vervollständigen so einen launigen, unterhaltsamen Abend. Als leckeres Theater-Dessert reicht das allemal.

Bis zum 22. November auf dem
Spielplan. Karten-Tel. (09 31) 5 12 12
 


                         FOTO STEFAN POMPETZKI

 
Von Manfred Kunz