Das Elend mit dem Nudelsalat 03.04.2002 18:27
Comedy Lounge im Chambinzky
Würzburg Wenn man Kabarett mit Skifahren vergleichen dürfte, wäre die "Comedy Lounge" was für Snowboarder: mehr Fun als Parallel-Schwung. Drei Würzburger und immer wechselnde Gäste jumpen einmal im Monat auf die Bühne des Chambinzky. Der Fun-Park hat seine Fans: das Fest zum einjährigen Bestehen der Comedy Lounge war restlos ausverkauft.
Die Freestyler des Abends waren Björn Pfeffermann und Götz Frittrang. Pfeffermann schilderte seine Erfahrungen mit Dörte und deren WG-Fete. Beim Elend mit Nudelsalat, Joe Cocker und ekstasisch tanzenden Grundschullehramtsstudentinnen lachte das Publikum auch über sich selbst. Denn der Münchner spitzte ihr Studentenleben bloß noch etwas zu. Pfeffermann zeigte noch mehr: Als Baumaschinen-Imitator ist er einer der besten Deutschlands.
Götz Frittrang ist Literat. Der Bamberger las seine Szenen vom Blatt ab und spätestens bei seinem lakonisch beschriebenen Theken-Begegnung mit dem Direktsaft trinkenden Top-Gun-BWLer Roland war klar: Frittrang macht nichts Komisches, er ist einfach komisch. Je näher der 24-Jährige das Leben der Fit-for-Fun-Sklaven beleuchtete, desto abgehobener Schöpfungen sprudelten aus seinem Mund - zum Beispiel die extrastarke Virgina-Karotte.
"Der hat Talent", fand auch Mathias Repiscus. Der Bockshorn-Betreiber war vom Alten Hafen ins Chambinzky gekommen, um zu sehen was der Nachwuchs so kalauert.
Die verbalen backflips (Rückwärtssalto) zeigten die die drei Macher der Comedy-Lounge. Matthias Tretter, der den professionellen Ticket-Unterschleif beim Bahnfahren vormachte. Am besten klappt die Kinski-Nummer: Wenn der freundliche Schaffner arglos nach dem Fahrschein fragt, einfach ein kräftiges "Werner, schmeiß die Sau aus dem Zug" brüllen.
Thomas Kupferschmidt lebte geheime Rachegelüste aus. So treffsicher kann nur ein Lehrer sich selbst parodieren: Ein sadistischer Pauker lässt die Schüler in der Projektstunde seine Doppelhaushälfte hinstellen. Pädagogisch wertvoll. Denn: "Die Gewalt in der Schule nimmt ja leider nur auf der falschen Seite zu." Und der flotten Mutti würde der asexuelle Cordhosen-Träger der Elternsprechstunde auch gerne mal die Wahrheit sagen: "Ihr Junge ist nicht faul, sondern einfach blöd."
Der dritte Stamm-Komödiant der Lounge ist Florian Hoffmann. Er führte lässig durchs Programm und mischte dabei intellektuelles und aktuelles, politisches und plattes. "Bei Standup-Comedy schnappt sich der Komiker von der Straße das Mikro und legt los", charakterisiert der Würzburger die Comedy-Lounge. Auf Bühnenbild, -technik und Requisiten wird verzichte. "Die Grenzen zwischen den Genres sind allerdings fließend." Das meint auch Repiscus: "Comedy oder Kabarett, das ist egal, wenn es gut ist". Die Lounge im Chambinzky wird der Förderer des kabarettistischen Nachwuchs im Auge behalten.
Nächste Comedy-Lounge ist am
Dienstag, 30. April, 21 Uhr, im
Chambinzky (Kneipe). Karten nur
an der Abendkasse. Thomas Kup-
ferschmidt zeigt am Samstag,
20. April, im Theater Chambinzky,
Tel. 5 12 62, "Mann oder Mensch".
Von unserem Redaktionsmitglied Manuela Göbel