Ein kleiner Platz für großen Klatsch 25.07.2001 16:36
Würzburg Liebe und Leidenschaft, Klatsch und Tratsch: Der Würzburger Stein ist Kulisse für eine kleine italienische Welt, in der es hoch hergeht.
Premiere der Goldoni-Komödie "Il Campiello"
Ein kleiner, in sich geschlossener Platz ist die imaginäre "Hauptfigur" und gleichzeitig der Titel von Carlo Goldonis Komödie "Il Campiello". Mit frischer Farbe und wenigen Accessoires hat Sabine Hardt das "Don Camillo"-Bühnenbild kurzerhand von der Bassa ins Veneto gezaubert und vor der herrlichen Kulisse des Würzburger Stein für das adäquate italienische Ambiente gesorgt.
Regisseurin Gwendolyn von Ambesser hat sich für ihre Inszenierung die Bearbeitung von Peter Turrini, mit ihrer direkten, zupackenden, gleichwohl lyrisch-melodischen Sprache ausgesucht. Eine Sprache, die trotz ihrer oftmals unverblümten Derbheit, höchste Anforderungen an die sprecherischen Qualitäten der Darsteller, hier vor allem der Darstellerinnen stellt. Und der diese, in Gestalt der drei Campiello-Anwohnerinnen Orsola (Juanita Eichler), Pasqua (Heidrun Grauer) und Catte (Brigitte Weber), kaum gewachsen sind. Gleichförmig unnötige Lautstärke und wildes Gestikulieren erschlagen die Nuancen und den Wortwitz, in hohem Tempo wird Text abgeliefert und differenziertes Spiel durch Chargieren ersetzt.
Nun spielt Goldonis Eifersuchts-Komödie durchaus im Arme-Leute-Viertel einer Vorstadt, wo zweifellos heftig über Liebe und Leidenschaft gestritten wird, mit Feuereifer Klatsch und Tratsch ausgetauscht werden. Doch die drei zentralen Figuren derart derb-plump zu zeichnen, ohne die sprichwörtliche italienische Eleganz und Feinsinnigkeit, die gerade auch den unteren Schichten zu eigen ist, tut doch weh.
Wie es auch anders (und besser!) geht, beweisen die Nebenrollen. Allen voran ein souveräner, mit sparsamer Gestik ausdrucksstarker Ullrich Reuscher als ortsfremder, verarmter Adliger Astolfi, dessen Suche nach einer Frau das lokale Eifersuchtskarussell erst in Schwung bringt. Auf das springt vor allem der Nachwuchs der Campiello-Anwohnerinnen auf: Csaba Béke und Sophia Mix als das die Liebe erstmals probierende Halbwüchsigen-Paar Zorzetto und Gnese sowie Christina Stibi als attraktive, mannstolle Lucietta und Gaspard Ochoa Ruiz als leicht trotteliger Schönling Anzaletto.
Auch Joachim Beck als asthmatischer Wirt und Koffer schleppender Olympionike, Ingo Oehler-Bonnet als intellektueller Hobby-Essayist Fabrizio und Beate Arens als dessen heiratswillige Nichte Gasparina vermögen in kleinen Rollen eigene Akzente zu setzen. Für echt sizilianisches Flair sorgt schließlich ein "politischer" Carabiniere, dessen permanentes Zuspätkommen keinesfalls symbolisch gemeint ist: Antonio Pecoraro, Mitglied des Würzburger Stadtrates und Vorsitzender des Ausländerbeirates, steht auch in Uniform routiniert seinen Bühnen-Mann und setzt damit die Reihe der Überraschungs-Promi-Gastrollen am Stein fort.
Dass sich trotz der durchwachsenen Qualität dieser Produktion auch der Besuchererfolg der letzten Saison fortsetzt, darf vermutet werden. Das Premierenpublikum jedenfalls dankte anhaltend und ausgiebig.
Bis zum 12. August, täglich außer
Montag, jeweils 2030 Uhr. Karten-
Tel. (09 31) 5 12 62 oder Abend-
kasse (0 1 71) 5 45 35 21.

Von unserem Mitarbeiter Manfred kunz