| 15.07.2004 18:06
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| Wenn Totnan einen irischen Pub sucht | |
| Würzburg Am Abend ist das Würzburger Rathaus umzingelt von
Komödien. Im südlichen Innenhof spielt die Werkstattbühne seit drei Wochen
Karl Valentins "Ritter Unkenstein". Im nördlichen Hof hatte jetzt das
Theater Chambinzky Premiere, mit "Die Nacht der Brückenheiligen" von Kurt
Egreder.
Das Bühnenbild von Sabine Hardt ist imposant. Man schaut über die stilisierte Alte Mainbrücke in Würzburg hinweg auf den Dom. Das funktioniert, weil die Brücke in Stufen angelegt ist. Das Ganze ist hoch gebaut, man sieht von jedem Platz aus alles. Die Tontechnik, bei Open-Air-Inszenierungen immer eine knifflige Sache, ist tadellos. Es geht darum, Heilige für die Besetzung der Sockel auf der Alten Mainbrücke zu finden. Die Angelegenheit wird im Himmel geregelt, vom Erzengel Gabriel (Oskar Vogel), der dieses Geschäft, genervt von den undisziplinierten himmlischen Heerscharen, möglichst schnell zu einem Ende bringen will. Wir lernen fast das ganze Brückenpersonal kennen: zehn Männer, eine Frau. Einer, Pippin der Kurze, erscheint nur als Pappkamerad. Warum sie den Job machen wollen, wird nicht ganz klar - kann sich jemand Langweiligeres vorstellen, als bis zum Jüngsten Gericht in Würzburg auf einer Brücke herumzustehen? Warum auch immer: Sie tun's. Ziemlich bald offenbart sich eine Schwäche des Stückes: Es hat keine Geschichte. Die Auswahl der Brückensteher, ein knatschendes Liebespaar (Christian Voll und Christina von Golitschek) und schließlich der Heilige Totnan (Burkard Scheckenbach), der sich, geplagt vom Heimweh, betrinkt und verschwindet, auf der Suche nach einem irischen Pub - das ist ein bisschen dürftig und trägt keinen Theaterabend lang. Dass das Publikum, das was zu lachen haben will, trotzdem nicht enttäuscht wird, liegt an der Charakterisierung der Heiligen. Das ist eine menschelnde Gesellschaft, mit Unarten: Bischof Burkard (Norbert Straub), ein gebürtiger Engländer, ist ein Streithansel, der fortwährend gegen die Iren Kilian (Helmut Mahsberg), Totnan (Burkard Scheckenbach) und Kolonat (Stephan Ladnar) stänkert. Österreicher mit PhlegmaBischof Bruno (Achim Beck) ist ein Österreicher mit Phlegma und Liebe zur Caféhaus-Kultur. Karl der Große (Jan Dietl) hat kaiserliche Attitüden, Carolus Borromäus (Czaba Beke) ist hochnäsig, Johann Nepomuk (Kurt Egreder) hat Angst vorm Wasser - alle haben was eigenes, nur die Maria (Brigitte Miebach-Schrader) nicht, die recht steif daherkommt, und ihr Josef (Hans Weigand) glänzt auch nicht. Die Regisseure, Rainer Maria Binz und Gwendolyn von Ambesser, haben gute Leute engagiert: Helmut Mahsberg mimt den Kilian, Achim Beck den Bruno, Kurt Egreder spielt den Nepomuk - fast ausnahmslos stehen Schauspieler mit Erfahrung und Können auf der Bühne. Sie sorgen mit Präsenz und Tempo dafür, dass das Publikum sein Kommen nicht bereuen muss. "Die Nacht der Brückenheiligen" ist ein harmloses, übersichtliches Stück. Nichts beschwert einen beim Verlassen der Spielstätte, das Hirn bleibt frei und ohne Beschäftigung, der Mensch fühlt sich unterhalten. Wer nicht mehr erwartet, wird sein Vergnügen haben. Gespielt wird bis 15. August täg- |
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| Von Wolfgang Jung |