21.01.2005 16:47
Wenn ein Mann zur Frau werden muss
 
Würzburg Stille Wasser sind bekanntlich tief. Leonard, von Beruf Statistiker und laut seinem Vater der langweiligste Mann Südwest-Londons, ist ein besonders stilles Wasser. Und tief. So tief, dass er seine Wünsche und Sehnsüchte nur in selbstverfassten Liebesromanen ausleben kann.

Einer seiner Ergüsse, unter weiblichem Pseudonym für einen Wettbewerb eingereicht, soll in dem Frauenverlag "Frau um vierzig" veröffentlicht werden. Ein kunterbuntes Chaos beginnt. Verwechslungen und Missverständnisse sind programmiert, glückliche Lösungen so sicher wie das Amen in der Kirche und das Happy End in Zwei-Stunden-Nähe.

Unter der Regie von Gwendolyn von Ambesser bekommen Telefone, Handys und Türsprechanlagen eine gewichtige Bedeutung. Und Leonard weiß zeitweise nicht mehr, ob er Männlein oder Weiblein ist. Er gehört zu dem Quartett, das bei der Premiere von "Kiss my Aunt" im Würzburger Theater Chambinzky für Lachsalven sorgte.

Maximilian Reeg in dieser Rolle und seine Mitspieler setzten das i-Tüpfelchen auf den Wortwitz der Komödie von Simon Williams, den Übersetzer Wolfgang Spier treffend transportiert. Den Schauspielern hat Bühnenbildnerin Sabine Hardt auf verschiedenen Ebenen Aktionsräume geschaffen, die eine Augenweide sind und das Spieltempo erheblich anheizen. Der Zuschauer hat alles gleichzeitig in Blick und Gehörgang: die Geschehnisse im Verlagszimmer und die verschiedenen Lokalitäten des Leonardschen Hauses.

Hier wie dort weicht die in keusche Blüschen gekleidete Redakteurin Harriet (Christina von Golitschek) ab von ihren Vorstellungen zum Thema Mann - seit sie jenem schüchternen Statistiker ("97 Prozent aller Statistiker gehen ihren Mitmenschen auf die Nerven") tief in die Augen geschaut hat. Der windet sich wahrhaft vergnüglich durch die Wirrungen. Maximilian Reeg stottert, schwitzt und schlüpft in das köstlich komponierte Outfit einer aufrechten Tante.

Ebenfalls die Lacher auf seiner Seite hat Uwe Hansen als durchgeknallter Opa, der sich für Pferdewetten und Swingerclubs interessiert und wegen sexueller Belästigungen aus dem Altersheim geflogen ist. Salima Thenhardt als kesser Teenager ist ebenso nett wie zickig, hat alle lieb und freut sich letztendlich über den Schluss-Kuss zwischen Harriet und der Tante, die ja ihr Vater ist. Heftiger Applaus!

"Kiss my Aunt": nächste Woche
Mittwoch bis Sonntag jeweils um
20 Uhr, auf dem Spielplan bis 26.
Februar. Karten unter
Tel. (09 31)  5 12 12.

 
Von Ursula Düring


                                           FOTO NORBERT SCHWARZOTT