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  Fitzgerald Kusz'  Erbschafts-Satire "Letzter Wille": Gelungene Premiere im Chambinzky

Freitag, 09.03.2001 - Kultur

Skrupelloser Kampf bis zur letzten Vase

WÜRZBURG

Manfred Kunz

FOTO RUPPERT
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Fitzgerald Kusz beim Besuch im Würzburger Chambinzky.

FOTO RUPPERT
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Wandlungsfähig: Christina von Golitschek als Ursel in einer Szene von Fitzgerald Kusz' "Letzter Wille" im Würzburger Chambinzky.

 


Ein solcher Leichenschmaus vertreibt jede Trauer. Zu Recht feierte das Publikum im Würzburger Theater Chambinzky Hermann Drexlers rundum gelungene Inszenierung des Volksstücks "Letzter Wille" mit frenetischem Applaus. Selten nur greifen die unterschiedlichen Faktoren, die zu solchem Erfolg nötig sind, so perfekt ineinander. Da ist die realitätsnahe Textvorlage von Fitzgerald Kusz, da ist die perfekte Dramaturgie der Handlung und die pointenreichen Dialoge, die grade durch ihre scheinbare Beiläufigkeit enorme Wirkung entfalten.

Dazu kommt ein stimmiges Regiekonzept, das auch im Detail die Balance zwischen Spaß und Ernst, zwischen Volkstheater und bitterböser Farce hält. Und dazu gehört die in jeder Hinsicht ideale Besetzung der acht Rollen, die bei aller Typisierung einer jeweils eigenen Psychologie folgen. Angeführt von Hausmeister Rau (bieder-durchtrieben und unterwürfig: Andreas Höpfert) betritt die Trauergemeinde die "gute Stube" der verstorbenen Martha. Sabine Hardt hat das Zimmer, den kleinbürgerlichen Stilmix genau treffend, aufwendig ausgestattet: Vitrine, Anrichte, Bücherschrank und ein schwerer Holztisch im Zentrum.

Um ihn versammelt sich die Familie: Nach einer kurzen "Trauerminute" wird sofort offensichtlich, worum es eigentlich geht: alle sind scharf auf das Erbe von Tante Martha: der spießig-geschäftstüchtige Blumenhändler Kurt (Achim Beck als perfekter Mittelfranke) samt frustrierter Ehefrau Siggi (vielseitig Christina Stibi: besonders stilecht als sächselnde Trinkerin); der skrupellos-gerissene Versicherungsvertreter Heinz (von Thorsten Rock mit der nötigen Bauernschläue und Entschlossenheit ausgestattet) und seine naiv-brave Frau Karin (von Beate Arens in dezenter Unauffälligkeit genau getroffen); und natürlich die ewig unzufrieden nörgelnde Olga, Marthas Schwester (ganz die keifende Alte: Brigitte Weber) samt ihrer Tochter Ursel, die sie nach Herzenslust tyrannisiert (eine Meisterleistung von Christina von Golitschek, wie sie sich allmählich vom bebrillten Mauerblümchen zur attraktiven Schönheit emanzipiert).

Einig ist sich die gesamte Bagage, bei aller bis hin zur letzten Vase reichenden sonstigen Rivalität, gegen die Erbansprüche des Saxofonisten Klaus (durch seinen Schweizer Dialekt betont Jonas Trottmann dessen Außenseiterrolle).

Entlang der Suche nach einem Testament entfaltet Drexler eine temporeiche Milieu-Studie, die ganz im Kuszschen Sinne ein weiteres Mal die Doppelmoral des Kleinbürgertums vorführt. Die immer schon brüchige Familien-Idylle ist durch die alles andere dominierende Geldgier der Gegenwart und das verinnerlichte, ins Privatleben übertragene Geschäftsgebaren endgültig zerstört. Da ist der mit allen Mitteln geführt Kampf ums Erbe nur die (vorerst) letzte Konsequenz.

Fitzgerald Kusz zeigt das mit seinen immer weiter verfeinerten Stilmitteln des Volkstheaters. Den hohen Unterhaltungswert der Vorlage sichtbar gemacht zu haben ist das Verdienst Drexlers und seines harmonischen Produktions- und Darstellerteams. Ein weiteres Highlight in der Erfolgskette der Chambinzky-Theaterproduktionen.

¤ Auf dem Spielplan bis 8. April, jeweils Mittwoch bis Sonntag, 20 Uhr. Karten: Tel. (09 31) 5 12 62.