24.09.2003 16:10

 

"Eine ehrliche, in sich heile Welt"
 
Würzburg Aufwändige Bühnenbilder, ausgesuchte Stücke und das Ziel, diese einem breiten Publikum zugänglich zu machen: Das Theater Chambinzky feiert sein 20-jähriges Bestehen.
 
Fotos in schwarz-weiß oder Farbe schmücken die Wände der Räume in der Würzburger Valentin-Becker-Straße 2. Fotos, die Bühnengeschichte erzählen. Von der "Feuerzangenbowle", dem "Kleinen Prinzen" oder dem "Hauptmann von Köpenick".

 

"Theater ist meine große Leidenschaft. Ich habe einmal Blut geleckt und bin seitdem nicht mehr davon losgekommen", gibt Rainer Maria Binz, Leiter des Theaters, mit einem Schmunzeln zu. Das Jubiläum des Chambinzky nähert sich - am 27. September 1983 ging die allererste Vorstellung über die Bühne. Das Gastspiel "Geliebter Lügner" stand damals auf dem Spielplan und der traditionell weinrote Empfangsteppich reichte vom Hochparterre hinunter bis auf die Straße.

"Du bist verrückt", hatten ihm Freunde prophezeit, als Binz seinerzeit auf die Idee kam, ein Theater in den Räumen einer ehemaligen Ballettschule zu gründen. Doch Binz - sein Aszendent ist Widder - ließ sich nicht abhalten: "Ich war schon immer der Kämpfer-Typ. Was ich erreichen will, schaffe ich auch." Und so gründete er zusammen mit Steffen Röschert - der dann 1990 ausstieg - das Theater und den dazugehörigen Gastronomiebereich.

Binz' Tatendrang war unerschöpflich und ließ ihn auch in schlechten Zeiten nie aufgeben. Und die gab es zu Genüge in den ersten Jahren. "Wir steckten in argen Finanznöten, denn zu dieser Zeit gab es noch keine Zuschüsse von Stadt, Bezirk oder Freistaat." Trotzdem etablierte sich das Theater schnell und zog das Publikum an. Binz nutzte seinen Vorteil als gebürtiger Würzburger und Franke: "Ich kenne den Humor der Würzburger und der Franken, wusste was sie hören wollen."

Unter den ersten Gastspielen stand Goethes "Faust" auf dem Programm. Aber auch die erste eigene Produktion des Theaters ließ nicht lange auf sich warten: Die Ein-Frau-Oper "La voix humaine" von Francis Poulenc, es folgten Sartres "Geschlossene Gesellschaft" und "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupéry, bei dem Binz selbst Regie führte.

Inzwischen hat sich das 120-Plätze-Theater auf die Aufführung von Komödien spezialisiert.

Auch auf der Bühne stand Binz häufig selbst. Seine Lieblingsrollen: Dr. Johannes Pfeiffer in der Feuerzangenbowle von Heinrich Spoerl und die Rolle des Teufels in all seinen Facetten in "L'histoire du soldat" von Charles Ferdinand Ramus.

"Damals war alles noch sehr spartanisch eingerichtet, nicht vergleichbar mit heute", erinnert er sich an die Anfangsphase des Theaters. Er habe immer wieder investiert, um das Ambiente zu verschönern. Und: "Ich hatte einen 16-Stunden-Arbeitstag, da ich anfangs auch noch im Café mitgearbeitet habe." Nach vier Jahren dann ein kleiner Lichtblick: Die Stadt Würzburg gab ihren ersten Zuschuss von zweieinhalbtausend Mark. "Mittlerweile bekommen wir Zuschüsse von Stadt, Bezirk und Freistaat", so Binz.

Besonders stolz ist Binz auf seine opulenten Bühnenbilder. "Damit setzen wir uns von anderen Theatern ab", meint er. Seine technische Leiterin, Sabine Hardt - seit zwei Jahren im Chambinzky tätig - sei "unglaublich kreativ." Auch zwei Auszubildende gehören zum Team: Sie werden bald Bühnenmaler oder -plastiker sein. "Ich bin stolz darauf, dass wir diese Ausbildungsplätze schaffen konnten, hier geht es um die Zukunft."

Rainer Binz' Ziel ist es, auch weiterhin Theater für Menschen von fünf bis 99 Jahren zu machen, "ihnen etwas zu bieten". Mit literarischen Stücken der Neuzeit. Sein Herz schlägt fürs Theater - damals wie heute. "Ich will das wiederholen, was ich bei meinem ersten Interview vor 20 Jahren gesagt habe: Das Theater ist eine ehrliche, in sich heile Welt, die mit der realistischen Welt nichts zu tun hat und für die es sich lohnt zu kämpfen und nicht zu jammern."

Als Jubiläumsvorstellung geht am
27. September um 20 Uhr die
Boulevard-Komödie "Omelette
Surprise" von Axel von Ambesser
über die Bühne. Nächste Premiere:
Fitzgerald Kusz' "Schweig Bub"
am 23. Oktober. "Die Feuer-
zangenbowle" gibt's wieder ab
Silvester. Karten: Tel. (09 31) 5 12 12

 
Von unserem Redaktionsmitglied Katja Glatzer-Hellmond